Schwere Misshandlung und gefährliche Körperverletzung über viele Jahre | Neuer Weg

Drei Pfleger und die Einrichtungsleitung haben Bewohner*innen in der Einrichtung „Neuer Weg“ in Fischbachau (Bayern) über mehrere Jahre misshandelt. Juristisch ermittelt wurde in 13 Fällen gemeinschaftlicher Misshandlung sowie der gemeinschaftlichen gefährlichen Körperverletzung in insgesamt 107 Fällen. Die Vorfälle gehen mindestens bis 2010 zurück. Wie weit genau, ist derzeit noch unbekannt.

Die Gewalttaten kamen nur ans Tageslicht, weil ein Mitarbeiter zum Whistleblower wurde und von den Misshandlungen berichtete. Der Heimleiter wurde zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren und einem Berufsverbot von drei Jahren verurteilt. Einer der Pflegekräfte wird zu 2 Jahren auf Bewährung verurteilt und ein weiterer zu 2,5 Jahren Haft.

Die Einrichtung wurde nach anonymen Hinweise mehrfach von der Heimaufsicht geprüft, die jedoch keine Missstände feststellen konnte. Laut Medienberichten gab es Hinweise, dass die Heimaufsicht den Heimleiter vor den Kontrollen gewarnt hatte. Außerdem wurden in der Folge der Vorfälle mehrere mysteriöse Todesfälle, die Jahre zuvor in der selben Einrichtung geschehen waren und bei denen alle Ermittlungen ohne Fremdverschulden eingestellt wurden, neu aufgerollt.

Allgemeine Informationen

Aktenzeichen
10-00-00-01-02-01

Gewalt

Häufigkeit
Jahre
Wann?
mindestens seit 2010
Gewaltformen
  • Entzug von Freiheitsrechten
  • Körperverletzung
  • physische Gewalt
  • psychische Gewalt
  • sexualisierte Gewalt
  • sonstige
Fazit

Vielfältige Gewaltarten wurden angewandt. Die Taten wurden nur entdeckt, weil ein weiterer Mitarbeiter, der nicht zum Täterkreis gehörte, zum Whistleblower wurde. Der Whistleblower wollte sich auf Nachfrage der Redaktion von #AbleismusTötet nicht zum Fall äußern.

Betroffene*r

Recherche abgeschlossen?
Ja
Anzahl
13
Fazit

Alle Betroffenen werden als „seelisch, psychisch oder kognitiv behindert“ beschrieben.

1. Betroffene*r

Recherche abgeschlossen?
Ja
Persönliche Merkmale
Alter
23
Geschlecht
Männlich
Hilfe / Unterstützung
stationär
Behinderung / Beeinträchtigung
unbekannt / unklar / unvollständig
Auswirkung(en) der Gewalt
unbekannt / unklar / unvollständig
Fazit
Die Bewohner*innen der Einrichtung werden als Menschen beschrieben, die psychisch, seelisch oder kognitiv beeinträchtigt sind.

Einrichtung

Name
Neuer Weg
Institution
vollstationäre Wohneinrichtung für Menschen mit Behinderungen
Ort
PLZ
83730
Ort
Fischbachau
Bundesland
Bayern
Land
Deutschland
Träger
Name
Regens Wagner Erlkam
Institution
freier Träger
Sonstigte Beteiligte (nicht Personen)
Regens-Wagner-Stiftung hat die Einrichtung 2018 übernommen.
Schutzkonzept
Auswertung

Die Regens-Wanger-Stiftung schreibt auf deren Website, dass in ihren Einrichtungen die Leitlinien des Deutschen Caritasverbandes (DCV) für den Umgang mit sexualisierter Gewalt an Minderjährigen und schutz- oder hilfebedürftigen Erwachsenen gelten.

Öffentlich?
Ja
Internetseite
Leitlinien des Deutschen Caritasverbandes

Täter*innen

Recherche abgeschlossen?
Ja
Anzahl
4
Fazit

Alle Täter waren Mitarbeitende, darunter auch die Leitung in der Einrichtung, und hatten regelmäßig Kontakt zu den Betroffenen.

1. Täter*in

Recherche abgeschlossen?
Ja
Persönliche Merkmale
Alter
29
Geschlecht
Männlich
Behinderung / Beeinträchtigung
unbekannt / unklar / unvollständig
Bezug
Mitarbeiter*innen der Einrichtung

2. Täter*in

Recherche abgeschlossen?
Ja
Persönliche Merkmale
Alter
28
Geschlecht
Männlich
Behinderung / Beeinträchtigung
unbekannt / unklar / unvollständig
Bezug
Mitarbeiter*innen der Einrichtung

3. Täter*in

Recherche abgeschlossen?
Ja
Persönliche Merkmale
Alter
27
Geschlecht
Männlich
Behinderung / Beeinträchtigung
unbekannt / unklar / unvollständig
Bezug
Mitarbeiter*innen der Einrichtung

4. Täter*in

Recherche abgeschlossen?
Ja
Persönliche Merkmale
Alter
51
Geschlecht
Männlich
Behinderung / Beeinträchtigung
unbekannt / unklar / unvollständig
Bezug
Einrichtungsleitung

Folgen für die Täter*innen

Strafrechtliche Folgen
Haftstrafe
Zivilrechtliche Folgen
unbekannt / unklar / unvollständig
Disziplinarische Folgen
unbekannt / unklar / unvollständig
Fazit

Zwei der drei Mitarbeitenden wurden zu Haftstrafen verurteilt. Einer zu zwei Jahren auf Bewährung; der andere zu 2,5 Jahren ohne Bewährung.

Folgen für die Einrichtung

Maßnahmen der Einrichtung
unbekannt / unklar / unvollständig
Juristische Folgen
unbekannt / unklar / unvollständig
Fazit

Die Einrichtung ist seit 2018 insolvent und wurde von der Regens-Wagner-Stiftung übernommen. Drei frühere Todesfälle, die als Unfälle deklariert und deren Ermittlungen eingestellt wurden, wurden neu aufgerollt. Bei diesem möglichen zweiten Fall in der selben Einrichtung geht es um einen 34-jährigen Mann, der angeblich einen Schlaganfall erlitten hatte. Die Obduktion zeigte 1. einen gebrochenen Kehlkopf, 2. einen weiteren Mann, der nach einer Krisenintervention erstickt war, nachdem ein Pfleger sich auf seiner Brust platziert, und 3. noch eine Frau, die ein plötzliches Herz- und Lungenversagen hatte. Zeugen sprachen auch davon, dass die Verstorbene zu Lebzeiten Opfer sexueller Demütigungen war.

Folgen für die Vorgesetzten

Strafrechtliche Folgen
  • Berufsverbot
  • Haftstrafe
Zivilrechtliche Folgen
unbekannt / unklar / unvollständig
Disziplinarische Folgen
unbekannt / unklar / unvollständig
Fazit

Der Einrichtungsleiter wurde zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Außerdem wurde ihm ein Berufsverbot als Pfleger und Heimleiter für die Dauer von drei Jahren auferlegt.

Ratgeber

Haben Sie als Mensch mit Behinderung selbst Gewalt erfahren? Sind Sie Angehörige oder Mitbewohner*innen einer behinderten Person, der Gewalt widerfahren ist? Oder sind Sie vielleicht Mitarbeiter*in in einer Einrichtung und haben dort Gewalt mitbekommen? Im ausführlichen Ratgeber sagen wir Ihnen, was Sie tun können – und vielleicht auch müssen.

Meldung

Möchten Sie über Gewalt berichten, die Ihnen oder Ihnen nahestehenden Person widerfahren ist? Sie sind Mitarbeiter*in einer vollstationären Wohneinrichtung für Menschen mit Behinderungen – und haben Gewalt mitbekommen? Sprechen Sie mit uns darüber. Wir gehen allen Fällen nach.